Lumpazivagabundus

Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt

Lumpazivagabundus - Eine fröhliche Komödie, eine Zauberposse und ein wunderschönes MärchenEine fröhliche Komödie, eine Zauberposse und ein wunderschönes Märchen mit Feen, Geistern und Elfen in einer Inszenierung von Heidemarie Wellmann.

Im Feen- und Elfenreich wird der böse Geist Lumpazivagabundus verklagt, weil er die Söhne der Zauberer und Göttinnen zu einem liederlichen Lebenswandel verführt hat. Zwar will die Glücksgöttin Fortuna den Söhnen durch Rückgabe des verlorenen Vermögens wieder auf die Beine helfen, doch Hilaris, einer der Betroffenen, bekennt, ihn würde nur die Liebe auf den rechten Weg zurückführen können. Er bittet deshalb Fortuna um die Hand ihrer Tochter, die ihm von Fortuna jedoch verweigert wird.

Da mischt sich Amorosa, die Beschützerin der Liebe, ins Spiel und schließt mit Fortuna eine Wette ab: Wenn von drei Handwerksburschen, die mit Glücksgütern überschüttet werden, auch nur einer vernünftig bleibt und durch Liebe gebessert wird, dann soll Hilaris Fortunas Tochter heiraten dürfen.

Der Plan wird ausgeführt. Der Tischler Leim, der Schuster Knieriem und der Schneider Zwirn, die sich auf der Landstraße treffen, träumen nachts von dem Lotterielos 7359, kaufen es am nächsten Morgen und gewinnen damit 100 000 Taler, die sie untereinander teilen.

Der Schneider Zwirn entwickelt sich unter dem Geldsegen zum leichtsinnigen Weiberhelden, der Schuster Knieriem, der an den nahen Weltuntergang glaubt, ergibt sich dem Trunk. Der Tischler Leim jedoch lässt sich vom Geldsegen nicht korrumpieren, sondern kehrt zu seiner geliebten Peppi zurück, deren Hand ihm einst verweigert worden war.

Damit hat Amorosa ihre Wette gewonnen und Hilaris darf Fortunas Tochter heiraten. Zum guten Schluss gelingt es Amorosa sogar, auch Zwirn und Knieriem, die Unverbesserlichen, durch die Macht der Liebe zu gücklichen Familienvätern zu machen.

„Lumpazivagabundus“ war Nestroys erster großer Erfolg. Mit diesem Stück knüpfte er an die Tradition des Wiener Zaubermärchens an. Aber im Gegensatz zur poetischen Märchenphantasie Raimunds ist die Geisterwelt des „Lumpazivagabundus“ handfester Theaterstoff. Die Wirkung des Stücks beruht vor allem auf dem lustigen „liederlichen Kleeblatt“ der drei Handwerksburschen, die als Stegreiffiguren der Wiener Bühne noch heute fortleben.

„Lumpzivagabundus“ wird im bewährten Stil der Faust-Festspiele auf die Bühne gebracht - groß, kraftvoll, bunt und lustig. Denn in Nestroys „Lumpazivagabundus“ reiht sich nicht nur eine witzige Szene an die andere, nein, das Stück begeistert auch noch durch seine Musikeinlagen und den zauberhaft-poetischen Handlungsstrang in der Feen- und Zauberwelt.

Die Komödie ist geprägt von romantischen Märchenelementen, handfesten turbulenten Verwicklungen, fröhlichen Verwechslungen und bezaubernden Liedern - also genau der richtige Stoff für die Faust-Festspiele Kronach. Und der richtige Stoff für einen schönen Sommerabend!

In einer Inszenierung von Heidemarie Wellmann präsentieren die Festspiele Nestroys „Lumpazivagabundus“ als großen, bunten Theaterabend mit sympathischen und lustigen Figuren und mit viel Musik, Witz und guter Laune.

 

JOHANN NESTROY

Johann Nestroy, Lithographie von August Prinzhofer, 1846Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862) wurde in Wien als Sohn eines Anwalts geboren. Er brach aus der bürgerlichen Welt aus, ging zum Theater, war als Sänger und Schauspieler erfolgreich und schrieb seine erste Komödie mit 27 Jahren. Erst als Nestroy vom Allround-Schauspieler und Sänger zum komischen Darsteller geworden war und sich der Vorstadtbühne verschrieben hatte, wurde seine dramatische Produktion rege und regelmäßig.

Er schrieb nur für den unmittelbaren Gebrauch und nur Stücke, in denen er selbst die komische Hauptrolle spielte: Zauberspiele, Volksstücke, Possen, Parodien und poltische Komödien. Dabei benutzte er bedenkenlos fremde Quellen.

Nestroy produzierte mit seinen Dialektkomödien dringend benötigtes Material für sich und seine Kollegen und fertigte die Stücke sozusagen nach Maß. Mit dem Genre der Dialektkomödie hatte er auch relativ wenig Zensurschwierigkeiten zu befürchten und konnte seine satirischen Aggressionen und Seitenhiebe im scheinbar harmlosen, volkstümlich-heiteren Lokalstück am ehesten riskieren.

Außerdem war Nestroy ein Fanatiker der Sprache, ein vom Wort, seinem Tiefsinn und Doppelsinn Besessener und fand im Dialekt reichen Stoff für seine schöpferisch verspielte Sprachleidenschaft. Ohne literarischen Ehrgeiz erschuf er bravouröse Rollen für sich und seinen Partner Wenzel Scholz, der als behäbig-statischer Komiker den dynamisch-wortgewaltigen Nestroy ideal ergänzte.

Nestroy war immer ein angriffslustiger, satirischer Beobachter von ätzender Schärfe, ein bitterer Narr und Kritiker seiner Zeit. Bezeichnend ist sein Ausspruch: „Ich glaube von jedem Menschen das Schlechteste, selbst von mir, und ich hab mich noch selten getäuscht.“

Die Faust-Festspiele Kronach feierten mit Stücken von Johann Nestroy schon einige ihrer größten Erfolge - und zwar mit Nestroys „Ein Jux will er sich machen“ im Sommer 2001 und mit „Frühere Verhältnisse“ im Sommer 2008.