Faust I

Der Kronacher „Faust“

Szene mit Gretchen aus dem Kronacher FaustSeit 1995 wird in Kronach jeden Sommer Goethes „Faust I“ auf der Festung Rosenberg gegeben. Der Kronacher „Faust“ erzählt das Drama in sehr konzentrierter, geradliniger Form. Der Text ist stark gekürzt, die Aufführung dauert nur eineinhalb Stunden.

Die Inszenierung ist nicht verkopft, sondern geht das Drama ganz direkt an und legt den Schwerpunkt auf die Gretchen-Figur.

Das Schicksal der jungen, unschuldigen Frau, die - von Faust verführt - in tiefstes Unglück stürzt und sich in schlimmste Schuld verstrickt wird ganz klar und verständlich erzählt und berührt die Zuschauer nun schon seit vielen Jahren. Die Erzählweise der Inszenierung ist filmisch. Vieles, das bei Goethe nur erzählt wird, wird bei den Faust-Festspielen auch gezeigt: Der Hass der Bürger, die Kindstötung und Gretchens Hinrichtung.

Gespielt wird ohne Bühnenbild, was den Charakter des Filmischen noch verstärkt. Die Naturkulisse, die die Zuschauer sehen, ist echt, das Stück spielt „vor Ort“. Die Wiese, der Baum, die Festungsanlagen und der Blick auf die bewaldeten Höhenzüge des Frankenwaldes geben eine beeindruckende, vollkommen realistische Naturkulisse, vor der sich die ganze Wucht des Dramas entfalten kann. Der Eindruck des filmischen Realismus wird zudem noch verstärkt durch die historischen Kostüme.

In der Erzählstruktur der Kronacher „Faust“-Inszenierung gibt es keine Verfremdungen und keine Brüche. Trotz der starken Kürzungen bleibt die Geschichte in ihrem Ablauf absolut logisch und nachvollziehbar. Das Stück wird mit den Mitteln der Filmästhetik handlungsbetont, dicht und geschlossen erzählt.

Szene aus Faust I auf der Kronacher Freilichtbühne der Festung Rosenberg

 

„FAUST“ IN KRONACH

Die Festung Rosenberg - Kulisse der Kronacher Faust-FestspieleDie Stadt Kronach besticht durch ihr mittelalterliches Stadtbild und die Festung Rosenberg. Außerdem wurde in Kronach der Maler Lucas Cranach der Ältere geboren. Deshalb wählte Intendant Daniel Leistner Goethes „Faust“ als Markenzeichen der Kronacher Festspiele.

Denn wie Lucas Cranach war auch der historische Faust zugleich Wissenschaftler, Künstler und Geschäftsmann des späten Mittelalters und ein Zeitgenosse von Cranach und Luther.

Die Aufführungen auf der Festung Rosenberg binden das mittelalterliche Ambiente und die romantische Kulisse von Stadt und Festung mit ein und stellen gleichzeitig einen historischen Bezug zur Geschichte der Stadt und zu Lucas Cranach her.

So verbinden sich in Kronach die ungeheure Wucht von Goethes „Faust“ mit der Geschichte der Stadt, dem mittelalterlichen Straßenbild und der barocken Festungsanlage. An einem Theaterabend ist alleine der Weg zur Burg hinauf schon eine kleine Zeitreise ins Mittelalter.

Im herrlichen Ambiente einer mittelalterlichen Stadt- und Festungsanlage inmitten des Naturparks Frankenwald Goethes „Faust“ zu erleben - das bieten die Faust-Festsspiele Kronach!

 

FAUST - DER TRAGÖDIE ERSTER TEIL

Johann Wolfgang GoetheMephisto, der Teufel, bietet dem Herrn die Wette an, den großen Gelehrten Faust von ihm abzuwenden. Gott willigt ein: Solange Faust auf der Erde lebt, solange darf Mephisto versuchen, ihn zu verführen. Faust indes verzweifelt über sein unbefriedigendes Dasein und sehnt den Tod als Erlösung herbei. Bei einem Osterspaziergang nähert Mephisto sich Faust in Gestalt eines Pudels und nimmt Kontakt zu ihm auf.

Faust schlägt Mephisto einen Pakt vor: Mephisto soll sich verpflichten, ihn durch alle Höhen und Tiefen des irdischen Daseins zu führen und erhält dafür im Jenseits seine Seele. Mephistos Dienst soll in dem Augenblick enden, wenn Faust keinen Wunsch mehr hat und keine weitere Veränderung erstrebt - in dem Augenblick, in dem er sagt: „Verweile doch, du bist so schön!“ Mephisto akzeptiert den Pakt.

Nach einem Saufgelage in Auerbachs Keller, das Faust mit Abscheu erfüllt, erblickt Faust ein junges Mädchen - das unschuldige Gretchen. Mit Hilfe von Gretchens Nachbarin Marthe Schwerdtlein versucht Mephisto, Faust mit Gretchen zusammen zu bringen. Doch Gretchens reine Liebe lässt in Faust sein besseres Ich erwachen. Er versucht sich von Mephisto zu lösen, schafft es aber nicht.

Die Verführung Gretchens fordert Opfer: Ein Schlafmittel für die Mutter, das Faust ein nächtliches Beisammensein mit Gretchen ermöglicht, bringt die Mutter um. Außerdem wird Gretchens Bruder Valentin von Faust in einem Zweikampf getötet. Faust und Mephisto fliehen, doch Gretchen, die verlassen zurückbleibt, erwartet von Faust ein Kind. Faust findet die Geliebte, die das gemeinsame Kind in ihrer Verzweiflung umgebracht hat, im Kerker. Vergeblich versucht er, sie vor der Hinrichtung zu retten. Doch sie erkennt in Mephisto den Teufel, überantwortet sich Gott und wird hingerichtet.

60 Jahre lang arbeitete Goethe an seinem bedeutendsten Dramenwerk, dem „Faust“, mit dem ihm eine große dramatische Weltdichtung gelang. Die früheste Niederschrift des Werkes, der sogenannte „Urfaust“, stammt aus den Jahren 1774/75. 1790 ließ Goethe „Faust. Ein Fragment“ erscheinen. 1808 kam der vollständige erste Teil unter dem Titel „Faust. Eine Tragödie“ heraus, der 1829 in Braunschweig uraufgeführt wurde. Der zweite Teil wurde 1831, ein Jahr vor Goethes Tod abgeschlossen. Als Gesamtwerk steht der „Faust“ in seiner Form und in seinem Gehalt in einer Reihe mit den größten Dichtungen der Weltliteratur.

 

PRESSESTIMMEN ZUM KRONACHER „FAUST“

„Goethes Meisterwerk als Volksschauspiel.“
Focus

„Die Kronacher Faust-Festspiele machen’s so manchem Stadttheater vor: So lebensnah, so konzentriert und so sinnlich habe ich Goethes „Faust I“ noch nicht gesehen. Vom Klassiker-Sockel wird die Geschichte ins richtige Leben hineingeschubst. Und mit viel szenischem Einfallsreichtum wird das Stück hier so präsentiert, dass man es mit Herz und Bauch verstehen kann. Was Goethe dialogisch erzählt, zeigt Daniel Leistners Inszenierung in beklemmenden Bildern, die vor allem durch die eindringliche Darstellung Heidemarie Wellmanns leben.
Neue Presse, Coburg

„Goethe und Co. als pralle Volksstücke.“
Leipziger Volkszeitung

„Energiegeladen und dramatisch. Ein großes, gelungenes Theatererlebnis.“
Fränkischer Tag, Bamberg

„Filmische, musikalische Bilder und ein mitreißender Showdown. Bravourös!“
Frankenpost, Hof

„Leistner gewinnt mit filmischer Bildmacht vieles an unmittelbarer emotionaler Tiefe.“
Coburger Tageblatt

„Daniel Leistner hat in Kronach Hervorragendes als Regisseur geleistet.“
Nordbayerischer Kurier, Bayreuth

„Dabei beeindruckte nicht nur die Intensität der Darsteller, sondern auch ihr Mut. Dieses frech-frivole Spiel des Goetheschen Dramas, dass im Programmheft harmlos als „volksnahe Inszenierung“ umschrieben wird, wirkt stellenweise provozierend und eigensinnig. Dabei wurde es aber nicht am Autor vorbeiinszeniert. Diesen Stoff so hautnah, leicht verständlich und unterhaltsam zu vermitteln, das erfordert Mut und Können.“
Neue Presse, Coburg

„Gretchens Liebes- und Untergangstragödie wird von der faszinierenden Heidemarie Wellmann facetten- und spannungsreich zelebriert.“
Neue Presse, Coburg

„Genau wie der „Faust“ hat auch das Konzept der Faust-Festspiele nichts an Ausstrahlung verloren. Das gut eingespielte Ensemble überzeugt in allen Belangen. Zu keiner Zeit kommt das Gefühl auf, die Schauspieler würden ihre Rollen nur routiniert herunterspielen. Vielmehr präsentieren sie sehr lebendige, hervorragende Unterhaltung.“
TV Oberfranken

„Eine schnörkellose, expressive Goethe-Bearbeitung, in deren Zentrum eine Liebesgeschichte steht.“
Ring Nordbayerischer Tageszeitungen